"Neujahrsblätter: Neunhof" von der Gesellschaft für fränkische Geschichte

Meine Neuerwerbung um Thema „Neunhof“ ist ein Buch der Gesellschaft für Fränkische Geschichte mit dem Titel „Neunhof. Kulturgeschichtliche Blätter aus dem dortigen Gutsarchive“ von Dr. phil. Ludwig Freiherr von Welser, k. b. Regierungspräsident a. D. aus dem Jahr 1928.

neujahrsblaetter

Hier wird in Kapitel 4 das Thema Gewerbebetrieb erörtert. Hier wird unter anderem über die Badgerechtigkeit in Neunhof berichtet:

Martin Geuder vermerkt in seiner Güterbeschreibungvon 1498:

„Item die Gemein in Neunhof hat die Badstube dem Hansen Koler um 60 Pfennig jährlich vererbt, der Gemein jährlich zu geben, und mir Martin Geuder und mein Erben eine obig jährlich Fastnachtshenne, Von meiner hab [ich]7 fl. um das Erbrecht geben.“
„Item die Gemein hat mir die Zins geben, hab die neue Badstuben gebaut, ist auch mein allein.“

Darnch war also die Badstube bis dahin, d. h. bis zur Wende des 15./16. Jahrhunderts eine gemeindliche Einrichtung, die wir uns wohl noch als Reinigungsanstalt zu denken haben werden. Wenn aber Hans Fuchs mit Genehmigung Anton Geuders am 17. Juli 1569 auf sein Waldrecht für die Badstube verzichtet, das gegen einen Acker auf Hans Reinert und Hans Bub`s Hof genommen war, so wird sich daraus schließen lassen, dass er des Holzes nicht mehr bedurfte, mithin die Badstube als solche nicht mehr betrieben hat, und auch der Umstand, dass der Verzicht nicht bloß auf Brenn- und Bauholz, sondern auch auf den Genuß von Wunn und Weide und Waldprodukte, wie die Eicheln, sich erstreckte, kann nur den Rückschluß erwecken, dass ein Geschäftsbetrieb des Besitzers, wenn ein solcher noch bestanden haben sollte, nicht mehr blühend und lohnend gewesen sein kann. Das Anwesen wechselte dann auch öfters den Eigentümer, noch im Vertrage vom 16. Juni 1627 zeigt der Wirt Erhard Brand von Neunhof an, dass er seine „habende Badstube“ an Hans Keßler und Michael Hofmann verkauft habe.

Das Badhaus, das seinem Verfalle entgegenging, wurde 1686 von der Welserschen Herrschaft angekauft und 1689 an einen Hans Jakob Roth vermietet, einem Bader, dem vom Ehehaftgerichte für Verabreichung eines Bads eine Gebühr von 2 Kreuzern, eines solchen mit Schrepfen eine Gebühr von 3 Kr. bewilligt wurde. Eine im Jahre 1760 von dem Pfarrer Lochner in Beerbach im herrschaftlichen Auftrage gefertigte Verzeichnung der seit 1651 bei den Neunhofer Badern vorgefallenen Casualhandlungen, die vermutlich die Bader als Angehörige des niederärztlichen Personals im Auge hat, gibt uns ihre Namen. Paul Karl Welser stellt 1759 über die Badgerechtigkeit folgendes fest:

„Die Badgerechtigkeit steht uns Welser privative zu, ohne dass die Koler’schen etwas dazu zu sprechen haben. Es hat eine berechtigte Badstube, so heutugen Tags, und zwar 1717, zu einem Hafnershaus ist gemacht worden. Ist frei eigen. Den Bader haben die Welser pur allein anzunehmen und abzuschaffen, auch nicht zuzugeben Ursach, dass ein fremder Wundarzt oder Bader in den drei Ortschaften Neunhof, Beerbach und Tauchersreuth Curen verrichtet, es wäre dann mit Consens der Welser’schen Herrschaft.“

Zum Vollzuge dieser herrschaftlichen Rechte mag Paul Karl wohl auch das Exemplar der Nürnberger Bader-Ordnung von 1697 herangezogen haben, das wir bei den Akten haben. Darnach sollen „die Landbader insgemein bei ihren Pflichten schuldig sein, keinen schadhaften Menschen, der etwan der Infektion halben verdächtig oder mit den Franzosen und anderen bösen Krankheiten behaftet ist, in ihren Baden zu dulden, sondern gleich anzuweisen, desgleichen die Laßeifen und Laßtöpf rein und sauber zu halten, auf dass Niemand damit beschädigt werde“, welches Gebot mit Strafandrohung an Leib oder Gut geschützt war,

Ferner sollte in des Rats Gebiet „kein Bader genommen werden, er habe sich denn zuvor hereingestellt und durch die hiesigen geschworenen Meister examinieren lassen, diese sollten indess in solchem Falle „eine gute Moderation gebrauchen, die Saiten nicht zu hoch spannen und ihn alleine auf gemeine Schäden und was die Präperation ihrer gemeinen Unguenten betrifft, examinieren und unterrichten, damit gegen denen in der Stadt und den Badern auf dem Land ein guter Unterschied gehalten und nicht Ursach gegeben werde, dassder Eigenherrschaft zu Scahden die Badstuben gar öd bleiben und die armen Untertanen dadurch auch gehindert und beschwert werden.“

Der zu prüfende Landbader sollte dafür 3 Gulden in die Lade und den bei der Prüfung anwesenden geschworenen Meistern zusammen 9 fl. erlegen, die gewöhnliche Mahlzeit anzustellen, sollte in seinem Belieben stehen. Jährlich einmal sollten die Landhaber in Nürnberg erscheinen, um der Stadtmeister Handwerksgewohnheit beizuwohnen und dabei einen Gulden in die Lade legen.

Aus dem Jahre 1769 kennen wir auch einen Fall, in dem die Stelle eines Baders als öffentliche Bedienstung behandelt wurde. Als der Bader Gg. Fr. Engelhard, der seit 1746 in Neunhof gewirkt hatte, vom Landpflegamt seinem Vater, dem Kastenamtsreiter in Hersbruck, beigegeben worden war und daher „um Erlassung seiner Baderspflicht bei gnädiger Herrschaft gehorsamst angesucht“ hatte, wurde von dieser, „als welche vermöge der hinter Sie gehörigen uralten Neunhöfer Badstuben den zeitigen Bader anzunehmen hat“, Chr. Gottl. Holst zu einem Neunhofer Bader an und aufgenommen hat, auch sogleich mit des Baders Pflichten gefertigt und ihm dabei die Besorgung seiner Profession bestens anbefohlen.

Veröffentlichung vom 5. April 1838

In dem zwischen Lauf und Eschenau gelegenen Orte Neunhof wird eine reale Badereigerechtigkeit verpachtet. Approbierte Chirurgen, welche sich hierum melden wollen, haben ihre mit den erforderlichen Nachweisungen belegten Gesuche binnen 3 Wochen hieher einzusenden.
Nürnberg, am 5. April 1838.
Freiherrlich von Welser’sche Neunhöfer Guts- und Rentenverwaltung

Eckert.

aus: Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für Mittelfranken; 1838

Eigentümerin der Vorlage: Bayerische Staatsbibiothek

Das Original hann hier eingesehen werden.

Der Erbauer des Hauses, Friedrich Engelhardt, ein gesuchter Verbrecher?

Bekanntmachung

Der ledige Taglöhner Friedrich Engelhardt von Neunhof, k. Landgerichts Lauf, 19 Jahre alt, ist dringend verdächtig, dem Bauern Johann Sperber von Wolfsfelden, klg. Landgerichts Erlangen, in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar d. Jrs. die nachbezeichneten Effecten durch Einsteigen entwendet zu haben.

Ich ersuche demnach um Spähe nach selben sowohl, als dem Engelhardt und Vorrführung des letzteren im Vertretungsfalle.

Fürth, den 1. März 1866

Der k. Untersuchungsrichter am k. Bezirksgerichte:

Danzer

Effectenbeschrieb:

  1. Eine eingehäusige silberne Spindeluhr mit Goldrand, weißem Zifferblatte, römischen Zahlen und Stahlzeiger, nebst einer viersträngigen silbernen Kette, früher Uhrkette und einem daranhängenden gelbmessingenem Schlüssel;
  2. ein Paar einballige neue klabslederne Halbstiefel, die Absätze mit Eisen beschlagen;
  3. ein Paar rindslederne, sogenannte Zischmenstiefel, die Röhren von schwarzem Kalbsleder;
  4. zwei Paar weißwollne Strumpfsocken;
  5. eine Tabakspfeife mit neusilberem Beschläg, porzelanenem Kopf, auf welchem die Stadt Bern ist und beinernem Rohr

Quelle: Bayerische Staatsbibiliothek

Das Original kann hier eingesehen werden.