30.04.2011

Pauline ist gerade von einer Woche Praktikum in der „Mittagsbetreuung“, in der ihre Tante arbeitet, nach Hause gekommen. Eine Woche Praktikum in der Ferienbetreuung, mit Fußballspielen mit den Jungs, Basteln und so weiter. Völlig geschafft, aber froh, wieder daheim zu sein. Und sie hat mir ein Geschenk mitgebracht, das ich hier nicht verheimlichen möchte:

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Zur Verdeutlichung noch den Bauchbereich größer:

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Heute Abend werde ich dann mit Piet noch Gostenhof unsicher machen. Lecker Essen und ein paar Bierchen trinken muß schon mal sein, finde ich. Am Montag geht dann nach dieser kleinen Woche Urlaub das Arbeitsleben wieder weiter …

Ach ja, ich werde auch noch vier Bücher in und um den Palmengarten releasen, mal sehen, ob die Gostenhofer sich für Bookcrossing erwärmen können.

 

Die Kindheit

1965

Geboren im Wonnemonat Mai in Donauwörth, Nordschwabens freundlicher Mitte, als Heimgeburt. Das war seinerzeit eher der Normalfall. Zwei Brüder waren zu diesem Zeitpunkt schon vorhanden, Hermann (1961) und Peter (1962).

Angeblich war ich ein seltsames Kind, ich war wohl mit dabei, aber kann mich jetzt nicht direkt daran erinnern. Ich habe ständig geschlafen, teilweise mußte mich man zu den Mahlzeiten wecken, und wenn es im Kinderwagen zum Einkaufen oder zu einem Ausflug ging, brüllte ich angeblich wie am Spieß, bis ich wieder zuhause war (ein begnadeter Schläfer bin ich immer noch, aber das Getöse beim Weggehen hat sich dann irgendwann gelegt 😉 ).

Irgendwann gehts dann in den Städtischen Kindergarten „Schneegarten“. Daran habe ich relativ wenig Erinnerungen, also kann es nicht so schlimm gewesen sein.img027

 

Die Schulzeit

1971 – 1975: Grundschule

Eingeschult in Berg, und das als Donauwörther (traumatisierend). Nach diversen Rekonstruktionen wird vermutet, dass ich mit meiner jetzigen Schwägerin Brigitte die Schulbank drückte. Zu dieser Zeit waren sehr viele Kinder ausgelagert, da die Schulhäuser aus allen Nähten platzten.

Weiter ging es dann im Stadtkommandantenhaus in Donauwörth, jetzt die Stadtbücherei. Meine gesamte Grundschulzeit verbrachte ich in ausgelagerten Klassen (vermutlich traumatisierend).

In der vierten Klasse das Übertrittszeugnis für die Realschule geschafft, aber durch die Entscheidung der Eltern, die dagegen waren, dass ich direkt in die Realschule wechsle, gings erst einmal in die Hauptschule (traumatisierend).

1975 – 1978: Hauptschule

Übertritt von der Fünften Hauptschule in die Fünfte Realschule nicht geschafft (traumatisiert). Wieder ausgelagert, ein Jahr sogar in Zirgesheim (äußerst traumatisierend), ich wurde kein einziges Schuljahr in dem für mich vorgesehenen Schulgebäude beschult (traumatisierend?).

Endlich auch den Übertritt in der Tasche, endlich geht es aufwärts.

1978 – 1983: Realschule

Knabenrealschule Hl. Kreuz in Donauwörth (grundsätzlich traumatisierend), siebte Klasse. Eine von Patres geführte Schule, nur Jungs, einige davon im Internat, das Kloster Hl. Kreuz, das bis dahin auch die Schule war, untergebracht. Eine niegelnagelneue Schule, komplett ungebraucht. Die Lehrer sind allerdings die Alten geblieben, man hat schon im Vorfeld Übles vernommen.

Dann geht es darum, den Zweig zu wählen. Technisch oder Kaufmännisch? Also gut, kaufmännisch. Eines wurde bei dieser Wahl nicht bedacht: Das überaus wichtige Fach Steno (sehr traumatisierend). Mein Glück war, dass zu meinem Prüfungszeitpunkt die Prüfungsordnung dahingehend geändert wurde, dass man nicht mehr ein Diktat in Steno aufnehmen und dann mit der Maschine ins Reine schreiben mußte, nein, zu meinem Glück wurden die beiden Fächer Steno und Maschinenschreiben getrennt geprüft und ich glaube zusammen bewertet.

Die neunte Klasse war so spannend, dass ich sie mir dann gleich zweimal antuen mußte. Der Vorteil war, dass auch die Lehrer wechselten.

Irgendwann in der Realschule fing ich dann auch an, bei der Schülerzeitung mitzumachen, Layout, Artikel schreiben usw. Und das alles mit Schreibmaschine, Kopierer, Kleber und Schere! Ein interessantes Erlebnis war auch das Wochenendseminar der Thomas-Dehler-Stiftung in München für Schülerzeitungsmacher. Hier war ein Besuch des „Theater der Jugend“ auf dem Programm und damit verbunden ein Artikel über dieses und das dargebotene Stück. Nicht traumatisierend, sondern irgendwie prägend, trotz Thomas-Dehler-Institut.

In der 10. Klasse dann doch wieder ein Trauma, der erfolgreich abgelegte RW-Lehrer, der die alte Klasse zur Mittleren Reife geführt hatte, übernimmt nun ausnahmsweise noch unsere Klasse (wieder) (Trauma). Trotzdem die Mittlere Reife erfolgreich absolviert (Schnitt 2,5 in den Prüfungsfächern), am Ende noch der obligatorische Tanzkurs mit den Mädels von St. Ursula im Tanzhaus mit Abschlußball (insgesamt ein weiteres Trauma). Aber die reguläre Schulzeit nun zu Ende gebracht. Mal sehen, wie es weitergeht.

Die Jugend

Irgendwann, so mit 15 oder 16, habe ich angefangen, zur IGJD (Initiativgruppe Jugendtreff Donauwörth) zu gehen, meine älteren Brüder waren da auch aktiv. Ziel war es, ein selbstverwaltetes Jugendzentrum zu bekommen, ein eigenes Haus für unsere Aktivitäten, die zu diesem Zeitpunkt in Kneipen, angemieteten Nebenzimmern usw. stattfanden. Filmvorführungen, Konzerte, Diskussionsabende, die obligatorische Juze-Vollversammlung, ich glaube alle 2 Wochen, um alles zu besprechen, das Programm zusammenzustellen, endlose Diskussionen über Wortlaute in Briefen an den Stadtrat und den Bürgermeister. Irgendwann war es dann soweit, Die Stadt stellte uns ein Haus an der Zirgesheimer Straße zur Verfügung, das dann in vielen Stunden und mühevoller Arbeit selbst von der Gruppe, teilweise mit Geldern von Sponsoren, hergerichtet wurde. Neue Stromleitungen mußten eingezogen werden, Wände teilweise neu verputzt, tapeziert und gestrichen werden, Theke für den Verkauf, die Sitzgruppe im „Grünen Salon“, eine Bühne im „Großen Raum“, der Veranstaltungs-„Saal“ für Filme, Konzerte usw.

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Jugendzentrum in der Zirgesheimer Straße

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Jugendzentrum in der Zirgesheimer Straße

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Auf dem Bild: Nobbi, Tom bei einer Reinigungsaktion der kleinen Wörnitz

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Gordischer Knoten im Jugendzentrum

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Spielenachmittag im Rahmen des Kinder-Ferienprogramms

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Donau-Ufer beim Juze Don

Hier habe ich viele Stunden verbracht, teilweise aktiv, teilweise auch passiv, das Juze war das „Wohnzimmer“.

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Leider ist das Gebäude dann durch einen Brand unbenutzbar geworden und die Stadt hat es dann als Eigentümer abreißen lassen.

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1988 veranstaltete das Juze eine Kunstausstellung von Nachwuchskünstlern aus Donauwörth. Es waren sehr interessante Exponate dabei, teilweise sehr provokativ auch dem Schirmherrn der Veranstaltung gegenüber, der damalige 1. Bürgermeister der Stadt Donauwörth, Dr. Alfred Böswald.

Auch an größere Aktionen haben wir uns gewagt, es entstand der Wunsch, in Donauwörth ein Open-Air zu veranstalten. Das Erste fand mitten in der Stadt auf einer Brachfläche neben dem Hotel „Drei Kronen“ in der Dillinger Straße statt, mit örtlichen Bands.

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Mein erstes Open Air 😉 (ein echtes Polaroid)

Später stellte man uns dann die Landzunge des Baggersees zur Verfügung. Das war organisatorischer und logistischer Aufwand, bis das alles stand. Aber es machte Spaß.

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Auf dem Bild: Wolle, Tom, Hansi (Bild: TB/nachcoloriert)

Irgendwann wurde ich dann auch noch Betreuer beim Kinderzeltlager des Kreisjungendrings, das war auch eine spannende Angelegenheit. 120 Kinder im Alter von 9 – 13, dazu die Betreuer, eine Woche Zelten auf einer Wiese bei einem Bauernhof, die Großküche vom THW. Einmal haben wir den Aufwand so übertrieben, da wurde eine Bühne mit Überdachung aufgebaut, Video-Schnittplätze installiert, der Abschlußabend wurde als Open-Air inszeniert. Wahnsinn!

Zur Erholung fuhr ich auch ab und zu in den Urlaub. Einfach mal ein paar Leute ins Auto und losgefahren, Avignon war ein beliebtes Ziel von mir, mit meinem weißen Skoda war auch die Küche mit dabei, einfach den Kofferraumdeckel hoch und schon hast Du eine windgeschützte Stelle für den Kocher.

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Küchenchef in Südfrankreich (der alte Skoda hatte eine geniale Küche)

Oder auch nach Berlin, Bruder Peter besuchen, der damals in Berlin studierte. Einmal war ich im Gropius-Bau in der Boys-Ausstellung, am faszinierendsten fand ich die Interpretationen der Kunstkritiker, die die Kunstwerke analysiert hatten. Köstlich! Da kam der Gedanke, dass es bei so manchen Kunstwerken Boys nur darum ging, die Leute auf den Arm zu nehmen.

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vor der Berliner Mauer mit Volkszählungsbögen

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Passbild (um 1988)

Zum Passbild noch eine Geschichte: Grenzübergang Friedrichstraße, DDR-Grenzer schaut in den Pass, blickt mir ins Gesicht, wieder in den Pass, wieder ins Gesicht, nochmal in den Pass und nochmals ins Gesicht und sagt dann:“Das sind aber sehr dunkle Gestalten da in Donauwörth!“

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Sichtvermerk DDR

Im Jahr 1988 war auch noch eine größere Fahrt angesagt, veranstaltet vom KJR: eine Sommerfahr in die Türkei mit 2 Kleinbussen, voll besetzt mit insgesamt 18 Leuten. Auf dem Landweg in die Türkei und wieder zurück, mit einer kleinen Rundreise.

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Sichtvermerke Türkeifahrt mit Visum Bulgarien

Ein einschneidendes Erlebnis war das Autofahren in Istanbul, einer Stadt mit damals ca. drei Ampeln, die auch funktionierten, aber komplett ignoriert wurden. Oder der Unfall: Vor uns hielt ein Fahrzeug, um links abzubiegen, wir mit den beiden Kleinbussen auch. Auf einmal hupte es von hinten, ein LKW, vollbeladen mit Betonsteinen, donnerte die abschüssige Straße herunter. Er schaffte es nicht, sein Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen zu bringen und fuhr dem Sprinter, ein Mietfahrzeug, hinten rein, zum Glück ist nicht viel passiert, das linke Rücklicht wurde beschädigt und Blechschaden. Die Polizei kam dazu und nahm den Unfall auf. Unsere beiden Fahrer bekamen glaube ich Geldstrafen, und der Unfall-„Verursacher“ war nicht mehr aufzufinden. Es war nämlich so, dass Fahrzeuge, die links abbiegen wollten, mußten am rechten Straßenrand anhalten, bis beide Fahrspuren frei waren und abgebogen werden konnte. Das vor uns fahrende Auto hat dies allerdings nicht gemacht.

Anschließend mußte der Sprinter repariert werden. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Autowerkstatt. Wir konnten mit dem kaputten Rücklicht ja nicht weiterfahren. In der nächsten größeren Stadt also die Werkstatt unseres Vertrauens angefahren. Alles kein Problem, meine der „Autoschmied“, das bekommen wir wieder hin. Nur das mit dem Licht könnte problematisch werden, da müsse er mal nachsehen, was er für uns zun kann. Mit einem Riesen-Schlegel wurde die Beulen wieder nach außen gearbeitet. Später kam er wieder mit einem Aufbau-Rücklicht von Skoda. Passt. Also noch eine Halterung dafür hergestellt: Flachstahl gebogen, Befestigungspunkte angezeichnet, Schweißbrenner angestellt und die Löcher in den Flachstahl eingebrannt, so einfach geht das, wenn gerade kein Bohrer zur Hand ist. Am nächsten Tag konnten wir das Auto wieder abholen, er hat dann erklärt, dass er das Autoradio über Nacht ausgebaut hatte, weil „in Türkei viel zao zerap“. Und eine kleine Testfahrt mußte er auch machen, meinte er. Nach unserem Fahrtenbuch waren es mehr als 100 km.

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Mit dem Kreisjugendring wurden dann auch andere Veranstaltungen durchgeführt. Jugendtage als „Messe“ der Jugendarbeit, mit Abschlußkonzert in einer Dreifachturnhalle. Bands aus dem ganzen Landkreis. Das war dann auch die Geburtsstunde der musikalischen Laufbahn von mir. Zum ersten Jugendtag in Harburg wurde „H-H Acoustics & Friends & Rhythm Combination & Brass“ aus der Taufe gehoben. Ein Juze-Projekt von Leuten, die sich größtenteils bei der Juze-Arbeit kennengelernt hatten. Eine Ansammlung von Nicht-Musikern und Musikern, die zusammen die „Ölpest der Tonkunst“ zelebrierten. Das war so schlecht, dass es schon wieder gut war. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich dann zu „Bongo-Tom“, dazu machten mich Mike und Hermann von der PA, da war ich nämlich „Bongo-Tom auf 4“. Später wurde ich dann vom bloßen Bongospieler zum Sänger befördert, ob das allerdings ein Gewinn fürs Publikum war, ist dahingestellt. Da hießen wir dann aber „H-H Acoustics & Friends“.

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Auf dem Bild: Tom, Hansi, Uko, Hörman (sieht nach Probe im Juze Don aus)

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Auf dem Bild: Gyms, Hörmän, Uko, Hansi, Tom (offizielles Bandfoto)

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Bandaufkleber

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Auf dem Bild: Tom (Donauwörth, Baggersee-Open-Air)

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Auf dem Bild: Hörmän, ?, Hansi, Tom (Donauwörth, Baggersee-Open-Air)

Irgendwann brach diese Truppe dann auseinander, eine neue Band wurde gegründet, die „Canadian Woodburning Outsteppers“. Der Bandname wurde dem Buch „English for Runnaways“ entnommen. Hier ging es dann schon etwas kräftiger zur Sache, E-Gitarren, Bass, Schlagzeug, Bläsersatz und mit mir als Sänger.Ein prägendes Erlebnis war das Open-Air in Schweinspoint, ich im grünen Kleid, „Sind so kleine Biere“ singend, völlig unbetroffen, und das auch noch am Nachmittag und dazu noch fast nüchtern. CWO löste sich dann 1990 auf, ich glaube, es war dann einfach zu problematisch, die Leute, die dann mit Studium usw. beschäftigt waren und sich in alle Himmelsrichtungen verstreuten, zusammenzuhalten.

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Logo für das Demo-Tape (handgemalt!)

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Der Bandbus

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Auf dem Bild: Wolle, Tom, Häns, Gyms (ich glaube, Harburg Bockfestival)

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Auf dem Bild: Stefan, Tom, Wolle (wie oben)

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Setlist vom ?

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Auf dem Bild: Voffi, Tom, Matze (bei welcher Gelegenheit, kann ich leider nicht sagen)

Mit CWO wurde dann auch beschlossen, eine „PA“ anzuschaffen, einen 16-Kanal-Mischer, Mikros, Boxen usw. Daraus wurde dann CWO – Strange Stage Sound System. Die Anlage haben wir dann auch teilweise über den Landkreis hinaus verliehen, vor allem für Punkkonzerte in anderen Juzes, die erfahren hatten, dass es hier für billig Geld Menschen gibt, die alles abmischen. So habe ich z. B. im Juze Wemding einmal „WIZO“ abgemischt, ich glaube vor ca. 20 Leuten, mit Fratz am Schlagzeug, weil der eigentliche Drummer krank war oder so.

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Ankündigungs-Flyer

Mit Matze von der Kynkl-Crew wurde dann das „Sunshine-Projekt“ ins Leben gerufen, vor allem, da ich mir nicht zu schade war, einen Text zu singen, der soetwas von strange war, dass ihn nicht einmal die Kynkl-Crew auf die Bühne brachte. „Sonnenschein und Apfelbaum“, ein 7-minütiges Stück vom Regenmädchen. Furchtbar. Aber wir waren jung und uns war nichts peinlich 😉 Das Sunshine-Projekt wurde später duch Kurt und Hansi verstärkt, wir haben sogar bei einem Bandwettbewerb in Augsburg teilgenommen! Aber wie so alles, was wir machten, es polarisierte. Das normale Augsburger Publikum konnte mit unserer Musik nichts anfangen. Was solls. Wir hatten unsere Fans und uns machte es Spaß. Das war das Wichtigste.

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Auf dem Bild: Matze, Kurt, Hansi, Tom (offizielles Promo-Foto)

Später dann wurde aus dem Sunshine-Projekt eine neue Gruppe, diesmal nur Matze und ich, „Die Herzwilden Deckbuben“. Der Bandname entstand, als Matze und ich mit dem Zug von einer Party in Bamberg nach Hause fuhren. Mein Auto hatte bei Forchheim den Geist aufgegeben (was nebenbei dazu führte, dass ich aus dem ADAC austrat, aber das ist eine andere Geschichte). Also in verkaterter Stimmung (oder war es ein Restalkohol-Hype?) waren wir auf der Suche nach dem Namen der neuen Kapelle, wie wir schlußendlich darauf kamen, kann ich allerdings nicht mehr sagen, aber das ist ja eigentlich auch nicht wichtig. Das war dann auch die Zeit, in der ich instrumententechnisch das meiste zu tun hatte. Programmierung des Drum-Computers, bei jenem Stück Gitarre, dort mal Bass, hier man Keyboard. Die „Herzwilden“ waren dann auch mein musikalisch aktiver Schlußpunkt.

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Konzert-Ankündigung in der Donauwörther Zeitung

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Auf dem Bild: Tom, Matze, aufgenommen in der Schellenberg-Wirtschaft

Ich gab nicht nur Konzerte, sondern besuchte auch welche. Kleine Konzerte in Donauwörth und Umgebung, im Juze, in Harburg, Nördlingen, Wemding, Dillingen …, aber auch größere in München, Berlin, Ulm, Augsburg …

Ein Open Air ist mir in Erinnerung geblieben, September 1990 in Ulm:

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Ich ging vor allem wegen Midnight Oil, Pixies und Nem Model Army hin, leider war die ganze Bühnenausstattung und Beleuchtung auf Bowie ausgerichtet, sodass die vor ihm spielenden Bands optisch nicht ganz so zur Geltung gekommen sind, wie vermutlich von diesen gewünscht. Akustisch war es für mich jedenfalls ein Vergnügen, während des Bowie-Auftritts sind wir dann gefahren …

Ach ja, sportlich betätigte ich mich auch. Ich spielte Dart. Im Juze gründeten sich die „Dartbreakers“, es wurden auch Turniere durchgeführt und auch zu Turnieren gefahren. Das Größte, an das ich mich erinnere, war in Erlangen, eine offene deutsche Meiterschaft, wir sind zu viert in Hansis R5 angereist, haben in einem Unterstand hinter der Turnhalle im Schlafsack übernachtet, sind dann alle bis auf Ron in der ersten Runde ausgeschieden, Ron kam immerhin eine Runde weiter. Klasse war auch ein Turnier in München, im 5. Untergeshoß in einem Fitness-Center, Beginn Vormittags, irgendwann wußte man nicht mehr, wie spät es war, da dort immer Kunstlicht. Hier auch ein prägendes Erlebnis in Bezug auf Nahrungsaufnahme: Wir sind dann zusammen in ein Schnellrestaurant in der Nähe gegangen „Zum Zum“, ein Restaurant, in dem alles gleich schmeckte, nämlich nach Nichts. Das war vorteilhaft, dann konnte es nämlich nicht schlecht schmecken 😉

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Auf dem Bild: Mirfälltdernamenichtein, Ron, Roger, Hansi, Mirfälltdernamenichtein, Tom, Tine, Piet, Werner, Malte

Und mit dem Juze waren wir immer Skifahren. Ein Wochenende, 1 – 2 Reisebusse voll, ich hatte mich eher der Schlittenfraktion angeschlossen.

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Auf dem Bild: Viele

Und ab und zu haben wir auch etwas getrunken, dann aber stilvoll. Wir haben Cocktailparties organisiert, erst im kleinen Rahmen, aber irgendwie wurde das immer größer.

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Auf dem Bild: Stahli, Eimer, Tom, Malte, Assi, Kurt, Werni, Bene, Voffi

Seitdem lebe ich mein spießiges Leben in wohlgesitteten Verhältnissen.

Das Jetzt (bis 2010)

Was kommt nach der Jugend? Wie lange zählt man zur Jugend? Ein Spruch besagt: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Das allerdings ist unterschiedlich 😉

Ich würde mal sagen, die Zeit nach der Hochzeit, nach dem Kinderkriegen, diese blenden wir hier mal aus, das lassen wir bei der Familie. In der Zeit der Selbständigkeit gab es neben Familie, Firma, Hausbauen eigentlich nicht viel, das hier erwähnenswert wäre. Gut, man war einige Male im Urlaub (USA, Tunesien, Italien, Deutschland), hat auch einiges erlebt, das würde ich allerdings wirklich unter der Rubrik Familie belassen.

Hier werde ich mal die Zeit ab Stuttgart (also ab 2004) dokumentieren, beschreiben, Gedanken dazu fassen.

Angefangen hat die Stuttgarter Zeit für mich Mitte 2003 mit Aufnahme der Arbeit als Technischer Leiter bei der St. Josef gGmbH im Stuttgarter Osten. Nachdem ich mich dort scheinbar anständig aufgeführt hatte, wurde ich auch nach der Probezeit übernommen. Dies war zum Glück schon länger vor Ende der Probezeit klar und so konnten wir kurz von Weihnachten 2003 in unsere frisch renovierte, von meinem Arbeitgeber vermittelte Wohnung in der Urachstraße einziehen. Ein Weihnachten in einer Wohnung, das an bewohnbaren Räumen ein Wohnzimmer und eine Küche hatte, die anderen Zimmer waren noch eindeutig Einzugszimmer, wobei Paulines Zimmer noch keinen Bodenbelag hatte, dieser war noch nicht geliefert worden, und in Kilians Zimmer hatte sich der Teppich gewellt, da der Bodenbelag zu frisch auf den gespachtelten Boden gelegt wurde.

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Weihnachtskarte (allerdings noch in Weißenhorn entstanden)

Trotz der widrigen Umstände war es ein schönes Weihnachten, weg von diesem seltsamen Weißenhorn, angekommen in der Großstadt, mitten in einem Stadtteil, der unterschiedlicher nicht sein konnte. Zwischen der antroposophischen Uhlandshöhe mit den protzigen Villen hinunter in die alte Gasarbeitersiedlung, mit hoher Hartz IV-Dichte, hoher Arbeitslosigkeit, hohem Migrantenanteil … Und als Neu-Stuttgarter wir mittendrin, in einer Erdgeschoßwohnung mit Garten, meine Arbeitsstelle und Julius Kindergarten fußläufig zu erreichen, die Grundschule in Sichtweite, mit der U-Bahn vier Stationen bis zum Hauptbahnhof. Durch meine Arbeit im Kinderzentrum hatte ich das Glück und die Beziehungen, dass die Kinder nicht auf der Warteliste versauerten, sondern ich vorrangig Kita- und Hortplätze für den Nachwuchs bekam 😉

Gleich um die Ecke hatte ich dann nach einiger Zeit auch eine Kneipe gefunden, in die ich dann auch regelmäßig ging, das „Landhaus 113“. Dort wurde später auch eine Dartscheibe installiert, die ich dann auch gerne nutzte. Dort traf sich eine bunt gemischte Theken-Clique, in die ich dann auch relativ schnell integriert wurde. Von der Bank-Filialleiterin über den Apple-Techniker über den Makler war da einiges vertreten, und die meisten auch aus dem Stadtteil.

2004 hat das auch mit dem Bookcrossing angefangen, erst zögerlich, wir hatten einen Zeitungsartikel gelesen, uns dafür interessiert und auch angemeldet. In meiner zurückhaltenden Art hatte ich dann auch erst Barbara zu einem der Meetups geschickt, damit sie feststellte, was das denn für Typen waren, die da in Stuttgart Bücher freilassen. Und nach einiger Zeit wagte ich mich dann auch dazu. Ab da waren die monatlichen Treffen, Meetups genannt, feste Punkte im Kalender, auch hier ein bunt durchgewürfelter Haufen, man traf sich in der Kneipe, der sogenannten OBCZ (Offizielle BookCrossingZone), in der auch ein öffentliches Bücherregal gibt.

In der Großstadt angekommen, hatten wir dann auch irgendwann festgestellt, dass unser Auto eigentlich die meiste Zeit vor der tür stand und nicht mehr bewegt wurde. Barbara fuhr mit dem Bus zur Arbeit, die Kinder gingen zu Fuß zur Schule und zur Kita und ich war auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad Richtung Arbeit unterwegs. Also haben wir es abgeschafft, bei Ebay versteigert und uns bei Stadtmobil, dem Stuttgarter Carsharing-Anbieter, angemeldet. Um einmal in der Woche den Großeinkauf für die fünfköpfige Familie nach Hause zu bringen und ab und zu mal einen Ausflug zu machen, braucht man eigentlich kein eigenes Auto in einer Großstadt mit einem gut ausgebauten ÖPNV. Im Endeffekt ist die Sache auch viel günstiger als ein eigenes Auto, und außerdem konnte man so auch immer das Fahrzeug buchen, das man gerade brauchte, mal einen 5-Sitzer, dann einen Kleinwagen, hin und wieder einen Kleinbus oder auch einen Kastenwagen, um größere Sachen zu transportieren.

Und so verging die Zeit, wir gewöhnten uns langsam an das Großstadt-Leben, die Zeit verging, und schon war wieder ein Jahr vergangen und ein neues angebrochen.

Im Rahmen meiner Arbeit kam ich 2005  ins Fernsehen: Mein Arbeitgeber hatte in Kooperation mit dem Aktivspielplatz Raitelsberg beim KiKa beworben, um einen neuen Stall für die dort stehenden Pferde zu bauen. Und hier kam ich bei einer Aktion, bei der die Kinder den Sand, der aus den Kita-Sandkisten ausgetauscht werden sollte, auf einen Anhänger schafften und der dann zum Aktivspielplatz geschafft wurde.

Mit der ganzen Familie machten wir Urlaub „All Inclusive“ in Tunesien. Ein richtiger Faulenzer-Urlaub mit am Pool oder am Stand liegen, sich von Buffet zu Buffet schleppen, sich bespaßen lassen usw.

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Strand in Tunesien

Und so etablierte man sich in Stuttgart, im Stadtteil, die Familie fand Freunde, ach ja, übrigens, ich hatte dann auch mein erstes Grachmusikoff-Konzert besucht, nachdem ich schon einige Platten von der Gruppe hatte, bot sich im Laboratorium für mich ertmals die Gelegenheit, ein Live-Konzert zu besuchen, und was soll ich sagen, ich war begeistert!

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Grachmusikoff-Konzert im Laboratorium: das begeisterte Publikum

2006 dann ein sehr abwechslungsreiches Jahr. Ich versuche es mehr mit einer Fotodokumentation:

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Mitarbeiter-Fasching: Ich als Fußball-Feld

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Sonnwendfeier vom DAV am Alphaus

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Fußball-WM 2006

Barbara war u. a. beim Holland-Spiel live mit dabei

Kilian und ich hatten Karten für das Skandalspiel Kroatien : Australien bei Obi gewonnen 😉

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BC-SchloGaFrühPi (Bookcrossing-Schloßgarten-Frühstück-Picknick) in Karlsruhe

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Ausflug zum Rotwandhaus

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Der Meister selbst als Bergwanderer

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Bookcrossing-Grillfest bei uns im Garten

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Bookcrossing-Meetup im Landhaus 113

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Bookcrossing-Meetup in Regensburg

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Silvester 2006 auf der Uhlandshöhe

Noch ein Nachtrag: Im Herbst hatten wir unser „neues“ Wohnmobil gekauft, einen Ford Transit Baujahr 1984 mit Alkoven-Aufbau, zugelassen für 5 Personen. Damit hatten wir wohl wieder ein „Auto“, aber ich bin der Meinung, dass das WoMo nicht wirklich zählt 😉

Das Jahr 2007 begann sehr untypisch, wir hatten, zumindest teilweise, einen sehr milden Januar, wenn ich mir die Fotos vom 09.01.2007 ansehe:

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Januar 2007

Ansonsten verlief alles sehr unspektakulär. Im Mai stand für uns allerdings eine Premiere an: Wir besuchten zum ersten Mal ein überregionales Bookcrossingtreffen, und zwar das das deutschsprachige Treffen in Frankfurt. Anreise mit dem Wohnmobil, mit einigenanderen Bookcrossern hatten wir es uns dann auf dem Campingplatz eingerichtet. Es war sehr interessant, einmal die Gesichter und Menschen hinter den teilweise doch sehr seltsamen Nicknames kennenzulernen.

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Die Bookcrossing-Gemeinde beim Frühstück am Campingplatz

Ungefähr einhundert Bücherverrückte hatten sich hier getroffen aus dem deutschsprachigen Raum, um sich und Bücher auszutauschen, um ein gemeinsames Wochenende zu verbringen, um Frankfurt und Bookcrosser kennenzulernen. An einem Abend hatten wir dann auch eine BC-Disco organisiert von einer Gruppe, die zuvor übers Forum den „Soundtrack of my Youth“ organisiert und als Ring an die Teilnehmer verschickt hatten.

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Selbstorganisierte Bookcrosser-Disco

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Bücher pflastern seinen Weg

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Bücher-Buffet

Als Pauline vor der Einschulung stand, hatten wir uns überlegt, ob nicht ein Vater-Kind-Urlaub schön wäre, so als Abschluß eines Lebensabschnittes. Und so hatten wir seinerzeit eine Woche Urlaub im Familienhotel Lambach im Bayerischen Wald verbracht. Diese Tradition führten wir bei Kilian weiter, und natürlich auch mit Julius verbrachte ich eine Woche in Lambach. Wandern, Baden, Minigolf, Spielen, und immer der Papa mit dabei, und was natürlich an der Glasstraße nicht fehlen darf, die obligatorische Gieskugel selbst blasen 😉

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Julius der Glasbläser

Unser Vermieter meine im Jahr 2007, dass er uns die miete um 30 % erhöhen müsse, und trotz längerer Verhandlungen lies er sich nicht erweichen. Da dadurch die Wohnung nicht mehr zu finanzieren war, suchten wir uns eine neue Wohnung, diesmal verschlu es uns in den Stuttgarter Westen, in die Reinsburgstraße. Wieder eine Erdgeschoßwohnung, allerdings ohne Garten, die Jungs zusammen in einem Zimmer. Altbauwohnung mit drei Meter hohen Decken, finanzierbar und groß genug für uns Fünf. Der einzige Nachteil war, dass nun vier Familienmitglieder mit dem Bus einmal quer durch die Stadt fuhren, um in den Stuttgarter Osten zu kommen, da hier Schule, Hort und Arbeitsstelle waren. Aber die Verbindung war ganz gut.

Ach ja, und nachdem überraschenderweise unsere zweite OBCZ im „Landhaus 113“ geschlossen wurde, suchten wir eine neue Örtlichkeit zum Aufstellen eines Bücherregals und fanden diese im Bistro Astoria, wieder im Stuttgarter Osten. Betreut wurde das Regal durch mich, und hier wurden dann auch monatliche Meetups angesetzt, das bedeutete, dass sich die Stuttgarter Bookcrosser an zwei festgelegten regelmäßigen Terminen trafen. Dafür beneideten uns viele andere Bookcrosser 😉

Und noch eine weitere OBCZ wurde gegründet und von mir betreut: Im Familienzentrum St. Josef konnten wir ein Bücherregal installieren, das hauptsächlich mit Kinder- und Jugendliteratur bestückt wurde.

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Bücherregal im Familienzentrum St. Josef

Sonst wäre nichts spektakuläres zu berichten, alles nur der übliche Familientrott, hier mal ein Bookcrossing-Meetup, dort ein Ausflug …

Und so ging das Jahr 2008 auch weiter.

In Neuötting hatte ein Bookcrosser sich in den Kopf gesetzt, in der tiefsten bayerischen Provinz eine OBCZ aufzumachen. Einen Standort dafür hat er auch ausgemacht und so lud er, so ziemlich als Einzelkämper, die Bookcrossing-Gemeinde zur Einweihung. Und wir kamen aus Stuttgart, Coburg, Nürnberg, Regensburg und einige aus der Region, um die neue OBCZ zu feiern.

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Die OBCZ in Neuötting von außen

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Bücherschwemme in Neuötting

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Der Wirt bringt den OBCZ-Aufkleber an

Auf der Fahrt nach Neuötting habe ich übrigens mein bisher am weitesten gereistes Buch freigelassen, am Hauptbahnhof in München in der Bäckerei-Müller-Filiale:

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Release-Ort meines am weitesten gereisten Buches

Mein amweitesten gereistes Buch

Releast hatte ich es im Rahmen der Handwerker-Challenge, hier mußten Bücher mit einem handwerklichen Bezug an einem Ort mit handwerklichen Bezug freigelassen werden.

Auf jeden Fall kommt man mit Bookcrossing rum. Wir hatten auch das Allgäu-Treffen besucht mit unserem Wohnmobil. Auch hier trafen wir wieder neue Gesichter und natürlich auch schon Bekannte. Solche Treffen sind immer wieder schön, man kann sich austauschen, lernt neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennen und nebenbei kommt man auch noch rum 😉

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Neuschwanstein

Etwas Kultur, Besuch einer Käserei, Bücher, Bücher, Bücher, Bücher, Bücher … 😉

Ein weiteres Highlight im Jahre 2008: Wir konnten 5 Tage Urlaub zu Zweit machen, nur Barbara und ich! Die Kinder waren zeitgleich auf verschiedenen Hortfreizeiten unterwegs, so bot sich für uns die Gelegenheit, alleine ein paar schöne Tage zu verbringen. So fuhren wir mit unserem Wohnmobil erst nach Kehlheim, um hier an einem Bookcrossing-Meetup, das zu unseren Ehren stattfand, teilzunehmen. Über Regensburg (Besuch einer OBCZ) und Nürnberg (Meetup in Erlangen) ging es dann wieder nach Hause. Es waren schöne Tage, ohne „Mama – Papa“-Rufe, ein ganz neues Lebensgefühl 😉

Und noch ein Kurzurlaub, diesmal ein Wochenende in Hamburg. Grund: das deutschsprachige Treffen der Bookcrosser 😉 Unserem Wohnmobil wollten wir diese Strecke nicht antun, also fuhren wir mit der Bahn und übernachteten in der Jugendherberge, direkt am Hafen, gleich neben dem Hamburger Weinberg, der von Stuttgart gesponsort wurde.

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Weinberg in Hamburg

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Hambook 2008

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Wohnung im Hamburger Hafen

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Ich beim Bookcrossing-Flashmob

Und dann stand mal wieder ein Umzug an. Auf Dauer ging es uns ganz schön auf die Nerven, dass vier Leute wirklich jeden Tag durch die halbe Stadt gondelten, um in Schule und Arbeit zu kommen. Und so fand sich eher durch Zufall, also nicht dass wir gesucht hätten, wieder im Stuttgarter Osten eine Wohnung, bezahlbar, mit futem Anschluß an den ÖPNV, mit Blick auf den Schloßgarten, diesmal allerdings im fünften Stock. Das war natürlich eine Umstellung, wenn alles, was fünf Personen so brauchen, da hoch gebracht werden muß. Aber was tut man nicht alles 😉

Den Somerurlaub verbrachten wir dann in Deutschland, ein Europa-Park-Besuch stand an und den Rest des Urlaubs verbrachten wir dann in Lichtenfels am Campingplatz. Also richtig erholsam und ruhig.

Zum Ende des Jahres kam dann der Hammer: Mir wurde wegen Umstrukturierungsmaßnahmen gekündigt. Da denkst Du Dir: Jetzt läuft alles gut, Barbara und ich hatten gute Arbeitsstellen, die Kinder einigermaßen wohlgeraten, es kehrt Ruhe ein, und dann so etwas. Das hieß dann also wieder: Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche, Ungewißheit, Arbeitsamttermine …

Und ein neues Jahr begann:2009. Was würde es wohl bringen, mit der drohenden Arbeitslosigkeit ab dem 1. April? Gut sah das nicht aus, ich schrieb wohl Bewerbungen am laufenden Band, aber die Quote der positiven Rückmeldungen war nicht berauschend. Und so wurde die Ungewißheit immer drückender.

Fünf Bewerbungen in der Woche forderte die Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Nebenbei Vollzeit-CAD-Kurs, um hier Defizite zu beseitigen. Schreinermeister ohne CAD-Kenntisse – unmöglich. Ich versuchte, erst einmal im Großraum Stuttgart wieder eine Stelle zu bekommen, und so beschränkte ich mich natürlich auch auf dieses Gebiet mit Bewerbungen. Aber irgendwann war hier das Angebot ausgereizt, und ich hatte  die Idee, mich mal im Bereich Nürnberg, Barbaras heimlicher Liebe, umzusehen. Und tatsächlich, hier gab es auch Stellen. Also nachgefragt, ob Barbara etwas dagegen hätte, wenn ich mich da mal auf die Stelle bei der Stadt Nürnberg bewerben würde, die suchen gerade einen Schreinermeister, irgend etwas mit Spielplätzen. OK, warum nicht, Nürnberg wäre schon schön. Also Bewerbung losgeschickt, irgendwann kam dann ein Brief, Einladung zum Vorstellungsgespräch, kommen sie dann und dann um Uhr da und da hin zum Vorstellungsgespräch. Was mich da allerdings erwartete, hatte ich in meinen schlimmsten Alpträumen nicht erahnt. Eine mehrköpfige Kommission, ich glaube, es waren so sieben Personen, saßen da um den Tisch, ich an die Stirnseite, und dann gings los. Was würden Sie machen, wenn …? Wie bewerten Sie diese Situation …? Ihr Mitarbeiter hat …? Puh, das war mein schlimmstes Vorstellungsgespräch, das ich bis dahin hatte. „Sie können uns morgen ab 8 Uhr anrufen, wir teilen Ihnen dann den Sachstand mit.“ Nach dem Gespräch wußte ich wirklich nicht, woran ich bin. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich diese Arbeitsstelle bekommen würde. So ging ich am nächsten Tag wieder zu meinem CAD-Kurs, und rief dann um 8 im Personalamt an, um zu erfahren, was Sache ist. Und da sagte der Sachbearbeiter: „Herr Mayer, Sie sind unsere erste Wahl. Bitte teilen Sie uns kurzfristig mit, ob Sie die Stelle annehmen wollen.“ Wahnsinn, ein solches Glücksgefühl hatte ich bisher selten, aus 120 Bewerbern wurde ich als die erste Wahl genommen!

Und so entschieden wir uns im Familienrat, dass ich die Stelle annehmen würde. Wieder eine Perspektive, ein Neubeginn … Ich im Öffentlichen Dienst … Allerdings: Am Anfang wieder getrennt, Wochenendheimfahrer, Barbara stemmt das Familienleben wieder alleine, wie seinerzeit schon einmal in meiner Weißenhorner Zeit und danach im Prinzip auch bei meiner Pendlerei von Weißenhorn nach Stuttgart. Aber das wird schon …

Und so konnte ich, bevor ich zum großen deutschsprachigen Bookcrossing-Treffen nach Wien fuhr, in Nürnberg meinen Vertrag unterschreiben. Und dann, ab nach wien mit dem Wohnmobil und den beiden Jungs. Die Mädels hatten sich einen Billigflug genommen und wir hatten vereinbart, uns in Wien zu treffen.

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Buch Schaden

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Thomas Leuchten in der Barbaragasse 😉

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Ein Themen-Release 😉

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Wien

Im Vorfeld rief meine Mutter mal an und teilte mir mit, dass sie und mein Vater zu meinem Geburtstag verreist währen. Da sagte ich dann, dass wir das auch wären. Wo sie denn hinfahren würden. Und da stellte sich heraus, dass wir dann alle in Wien sind, und so konnten wir gemeinsam in Wien meinen Geburtstag feiern, was wir dann auch bei einem leckeren Essen im Prater machten.

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Die Geburtstagsüberraschung der Bookcrosser

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Tom

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Bücher in Wien

Und danach zog ich erst einmal in ein möbliertes Zimmer in Nürnberg, nicht weit von meiner Arbeitsstelle entfernt und wurde zum „Spielplatz-Meister“ der Stadt Nürnberg. Und dann stellte dich die Frage, wie es weitergehen sollte mit der Familie Mayer: Umzug in den Sommerferien mit dem Risiko, die Probezeit nicht zu bestehen und in Nürnberg arbeitslos zu sein, allerdings mit dem Vorteil, dass die Kinder zum Schuljahres-Anfang in einer neuen Schule starten könnten, oder warten, bis die Probezeit mit Erfolg bestanden ist und dann mitten im Schuljahr umzuziehen. Wir entschieden uns für Variante 1. Also: Wohnungssuche. Wie soll das gehen, die Familie in Stuttgart, ich in Nürnberg, die meisten Besichtigungstermine unter der Woche? Das Internet machts möglich: Ich besichtigte die Wohnungen, die mir teilweise Barbara in Stuttgart aussuchte und per Mail zukommen lies, ich ging mit der Digitalkamera zur Wohnungsbesichtigung, skizzierte einen Grundriß, wenn noch keiner verfügbar war, machte Bilder von der Wohnung und schickte Barbara den Link zu den Bildern, und so fanden wir dann auch die Wohnung, in der wir jetzt sind 😉

Und danach? – Also wirklich jetzt? Das gibt es hier

Die Arbeit

Irgendwann muß man sich die Frage stellen, was für einen Beruf man denn eigentlich ergreifen will. So auch ich. Es war einmal Bäcker und Konditor im Gespräch, aber als man mir sagte, welche Arbeitszeiten beim Bäcker anstehen, suchte ich mir etwas anderes. Da wir zuhause eine Schreinerei hatten, war das dann auch das Naheliegendste und so begann ich nach der Mittleren Reife 1983 mine Lehre als Schreiner, Zuerst das BGJ, wieder Schule. Von der ganzen Klasse wohnte ich am nächsten zur Schule, teilweise kamen die Mitschüler aus Nördlingen oder noch weiter, aber ich war glaube ich der Einzige, der regelmäßig zu spät kam 😉 Sonst kann ich mich in Bezug ans BGJ nur an Unwesentliches erinnern: da war eine Prüfung, die wir geschrieben haben. Hier waren die Schüler der beiden BGJ-Klassen alphabethisch geordnet an den Eingängen zu zwei Klassenzimmern angeschrieben, wer in welches gehen sollte zum Schreiben der Prüfung. Irgendwie war scheinbar bei meinem Namen gerade die Trennung der beiden Gruppen und so wurde mein Name auf keiner der Listen aufgeführt. Ich wollte schon wieder gehen, da sagte man zu mir, dass sie doch noch ein Plätzchen für mich hätten.

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Praktische Prüfung BGJ

Die Ausbildung absolvierte ich dann in der Schreinerei meines Vaters, habe viel gelernt und dann auch die Gesellenprüfung gemacht.

Anschließend dann 20 Monate Zivildienst in der „Wekstatt für Behinderte der Lebenshilfe“ in Nördlingen. Das war auch eine gute Zeit, eigentlich zum ersten Mal richtig von Zuhause weg, unter der Woche in der Ziviwohnung in Nördlingen, eine Zwei-Mann-WG. In einer Druckerei, wo immer wieder Sachen zum Konfektionieren abzuholen waren, wurde ich als „Drückeberger“ und „Vaterlandsverräter“ tituliert, das war der Gleiche, der dann auch die Grünen „am Sack aufhängen“ wollte. Auf jeden Fall habe ich diese Zeit als prägend empfunden und will sie auch nicht missen. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die Feierabend-Biere, die man zusammen getrunken hat …

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Zivi bei der Arbeit

Dann ging es normal weiter als Geselle in der väterlichen Schreinerei, Möbelbau, Fenster, Türen, Boden legen, Holzdecken montieren, Restaurierungsarbeiten, das volle Programm und immer wieder etwas anderes. Ind dieser Zeit habe ich dann auch im alten Wohnhaus meiner Familie den Dachdoden ausgebaut, erst komplett entkernt und dann alles neu aufgebaut. Meine eigene Drei-Zimmer-Wohnung.

Irgendwann stellte sich dann die Frage, wie es weitergeht, beruflich. Mein ältester Bruder hatte wohl auch Schreiner gelernt, dann aber festgestellt, dass das nicht sein Ding war und umgesattelt auf Erzieher. Also was wird dann aus der elterlichen Schreinerei? Dann mache ich das eben. Gesagt, getan. Meisterschulen gesucht, mich bei mehreren beworben. Die erste, die dann einen Platz frei hatte für mich, war die Meisterschule in Ebern. 3 Semester Vollzeit in Unterfranken. Ein feine, kleine Meisterschule mit maximal 66 Schülern, einer sehr gut ausgestatteten Werkstatt, Computerraum, Zeichensaal, usw. Da habe ich dann auch noch einen Platz im angegliederten Wohnheim bekommen und zog also für 1 1/2 Jahre nach Unterfranken. Eine schöne Zeit, eine kreative Zeit, eine fruchtbare Zeit … Man konnte alle Einrichtungen der Schule nach Unterrichtsschluß nutzen, das heißt, in den PC-Raum oder in die Werkstatt, um für sich etwas zu machen, etwas auszuprobieren, zu „spinnen“, wie unser Schulleiter immer so schön sagte. Ich habe diese Zeit sehr genossen, und ich möchte diese Zeit auch nicht missen.

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Freihand-Zeichnen

1994 dann habe ich die Meisterprüfung abgelegt und dann noch 1/2 Jahr in der Schreinerei meines Vaters als Meister gearbeitet. In der Zeit habe ich den Computer im Büro eingeführt, um die Buchhaltung zu machen, Angebote und Rechnungen zu schreiben usw. Dis dahin wurden die schriftlichen Sachen auf der Schreibmaschine geschrieben und meine Mutter machte die Buchführung mit der „Taylorix-Durchschreibe-Buchführung“.

Zum 1. Januar 1995 habe ich dann die Schreinerei meines Vaters übernommen. Mit Gesellen, Lehrling und meinen Eltern als Teilzeitkräfte. Sieben Jahre war ich selbständig, habe biologische Oberflächenbehandung eingeführt, schöne Projekte durchgezogen, und zum Schluß viel Geld und meine ganze Existenz verloren. Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, bin ich nicht traurig über das, was ich verloren habe, sondern stolz auf das, was ich geschafft habe.

Also zum Ende des Jahres 2002 die Schreinerei dicht gemacht, Insolvenz angemeldet und auf Arbeitssuche gemacht. Ein Möbelhaus in der Nähe von Ulm wollte mich dann als Meister, der sowohl im Möbelhaus als auch in der hauseigenen Schreinerei agiert. Auf Dauer wäre das keine Arbeit für mich gewesen, da kam es einerseits ganz recht, dass mich der Chef rausgeworfen hat, andererseits war es blöd, ich hatte ja eine Familie zu ernähren.

Also wieder Bewerbungen schreiben, und auf einmal wollten mich gleich zwei. Zur Wahl stand der Job an der Plattensäge in einem Baumarkt in Neu-Ulm oder der Job als Technischer Leiter einer größeren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Stuttgart. Dann eben Stuttgart. 6 Monate pendeln zwischen Stuttgart und Ulm, jeden Tag 3 1/2 Stunden unterwegs zur normalen Arbeitszeit. Aber auch diese Zeit haben wir überstanden und sind dann in den Stuttgarter Osten gezogen. Eine interessante Arbeit, abwechslungsreich, relativ freie Zeiteinteilung, gute Bezahlung. Nach knapp sechs Jahren dann allerdings Opfer von Umstrukturierungsmaßnahmen geworden, die Stelle wurde wegrationalisiert und so stand ich im Jahr 2009 mal wieder auf der Straße.

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Nach vielen Bewerbungen und einigen Bewerbungsgesprächen im Raum Stuttgart habe ich mich dann spaßeshalber mal in Nürnberg umgesehen, der Lieblingsstadt von Barbara. Und auch eine Stellenausschreibung gefunden. Bei der Stadt. Als Meister. Irgendwas mit Spielplätzen. Also Bewerbung geschrieben und auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Das war glaube ich das schlimmste Vorstellungsgespräch, das ich bis dahin geführt hatte. Eine Kommission aus ich glaube sieben Leuten saß da und stellte Fragen, sie notierten irgendetwas und als ich da rauskam, wußte ich wirklich nicht, woran ich nun war. Ich würde am nächsten Tag Bescheid bekommen, ich solle im Personalamt anrufen. Also am nächsten Tag Punkt acht Uhr angerufen und: Ich war die erste Wahl. Wahnsinn. Von 120 Bewerbern die Stelle „gewonnen“. Aber: wieder Pendler, Wochenend-Papa, getrennt von der Familie.

Der Familienrat hat beschlossen, dass die Stelle genommen wird, die Zeit wird schon rumgehen mit dem Pendeln …

Also die Stelle angetreten, und nun bin ich in Nürnberg zuständig für die Sicherheitskontrollen der öffentlichen Spielplätze und der Spielgeräte in den städtischen Kindergärten und Schulen. Die Arbeit macht Spaß, ist abwechslungsreich und ich kann rein dienstlich auf Spielplätze gehen 😉

Update 05/2015:

Jetzt werden es nächsten Monat sechs Jahre, dass ich diese Arbeit mache. Es gibt eigentlich keinen Tag, der dem anderen gleicht, es ist sehr abwechslungsreich und interessant. Es gibt wohl viele Probleme, die zu lösen sind, aber irgendwie bekommen wir das immer wieder hin.

Anfang des Jahres ist überraschend mein Chef seinem Krebsleiden erlegen, was in der Abteilung natürlich ein großes Loch gerissen hat. Er hatte sich von Anfang an mit dem Thema Spielplatzsicherheit in Nürnberg beschäftigt und die Abteilung aufgebaut und zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Er war ein gefragter Fachmann im In- und umliegenden Ausland und konnte aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten. Mit ihm sind die Nürnberger Spielplätze zu den unfallärmsten und sichersten in Deutschland geworden.

Ich meinerseits beschäftige mich derzeit verstärkt mit SAP, da in einem Pilotprojekt versucht wird, die gesamte Arbeit des Spielplatz-Unterhalts mittels SAP zu bearbeiten. also von der Verwaltung der Spielplätze, Kontrolle, Dokumentation, Beauftragung von Reparaturen usw. Ob das etwas wird, wird sich noch herausstellen.

Die Familie

Im Jahr 1993, ich war gerade auf der Meisterschule, heiratete mein Bruder Peter seine damalige Freundin Marita. Ich als Bruder wurde natürlich eingeladen und so lernte ich bei der Party die ehemalige Arbeitskollegin von Marita, Barbara, kennen. Irgendwie verstanden wir uns von Anfang an und so entwickelten wir uns zu einem Pärchen. Sie war gerade noch auf der Meisterschule für Maler in Nürnberg, hatte da eine Wohnung und auch nach der Meisterschule eine Stelle als Malermeisterin, und ich war gerade in Ebern auf der Meisterschule. So kam es, dass ich dann immer öfter am Wochenende nach Nürnberg fuhr und nicht nach Donauwörth, da hatte ich sowieso nur noch ein Zimmer, da meine Wohnung von Peter und Marita in Beschlag genommen wurde, da ich sie ja auch nicht brauchte, da ich ja in Ebern war.

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Irgendwann, ich glaube es war Januar 1994, nach der „Weihnachtsfeier“ von Barbaras Firma, machte ich ihr einen Heiratsantrag und sie sagte zu unser beider Überraschung „ja“. Für mich war klar, dass ich nach der Meisterschule wieder nach Donauwörth zurückkehren würde, um dort die Schreinerei zu übernehmen. Barbara wollte das anfangs nicht, hat sich dann aber doch dazu breitschlagen lassen und so zogen wir in meiner, nun unserer Wohnung zusammen. Im September war dann die Hochzeit.

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Im April 1995 vergrößerte sich die Familie durch Pauline. Im Dezember 1996 kam dann auch noch Kilian und im November 2000 noch unser „Nesthäkchen“ Julius.

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Pauline

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Kilian

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Tom, Pauline, Kilian, Barbara

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Tom, Julius

Mittlerweile ganz solide und etabliert, Kind gezeugt, Haus gebaut, Baum gepflanzt, was will man mehr.

Ein tiefer Einschnitt war dann die Insolvenz mit dem Wissen, dass die Existenzgrundlage komplett weg war, die Ernährungsgrundlage der fünfköpfigen Familie fehlte nun komplett, Arbeitslosengeld gab es keines, dafür war ich zu lange selbstständig. Irgendwie hielten wir uns über Wasser und zum Glück konnten wir bis zum Verkauf des Hauses dort auch noch mietfrei wohnen. Was ich Barbara sehr hoch anrechnen muß, ist die Tatsache, dass sie in dieser schweren Zeit stets zu mir gehalten hat. Ich hätte es ihr nicht verübeln können, wenn sie mich in dieser Zeit verlassen hätte. Aber sie hielt die Familie zusammen.

Dann der Umzug nach Weisenhorn, ein Reihenhaus gemietet, die Möbel reingestellt, der Job in Weisenhorn war weg, ich war wieder arbeitslos und auf Stellensuche. Hier entschieden wir uns dann für die Stelle in Stuttgart, und im dezember pünkltich 2 Tage vor Weihnachten zogen wir dann auch in unsere Wohnung im Stuttgarter Osten, ein etwas anderes Weihnachten mit Umzugskisten und nicht aufgestellten Möbeln. Da war es wichtig, dass wir ePlatz zum Schlafen hatten, das Wohnzimmer einigermaßen ansehnlich und die Küche bereit war, um etwas zu Essen herzustellen.

Eine schöne Wohnung, Erdgeschoß mit Garten, ich konnte zu Fuß zur Arbeit gehen, die Kinder hatten es nicht weit zur Schule und in den Kindergarten, wir fingen an, uns mit Stuttgart auseinanderzusetzen.

Hier stießen wir auch auf „Bookcrossing“ und haben dort eine Gemeinschaft gefunden, die irgendwie seltsam ist, aber es schwimmen die meisten auf der gleichen Wellenlänge und man versteht sich.

Irgendwann meinte dann der Vermieter, dass er die Miete um 30 % erhöhen wolle, was wir zum Anlaß nahmen, uns eine neue Wohnung zu suchen. Die Wohnung war sehr schön und auch gut gelegen, aber bei einer solchen Mieterhöhung schlichtweg nicht mehr zu finanzieren. Also zogen wir in den Stuttgarter Westen mit dem Ergebnis, dass 4 Familienmitglieder täglich mit dem Bus durch die ganze Stadt zockelten, da Schule und Arbeitsstelle am anderen Ende der Stadt waren. Und so suchten wir uns wieder eine Wohnung im Osten der Stadt und fanden sie auch im 5. Stock eines Mehrfamilienhauses. Bezahlbar, gut zu erreichen, also wieder ein Umzug. Für die Kinder war es gut, da sie wieder 30 Minuten länger schlafen konnten, außerdem waren die Schulfreunde in der Nähe.

Und dann kam die Kündigung meiner Arbeitsstelle. Wieder eine Probe, die wir allerding bestanden. Erst die zehrende Zeit der Arbeitslosigkeit, in der ich zwei Monate CAD-Kurs hatte, dann die Zeit des Pendelns zwischen Stuttgart und Nürnberg. Dann die Entscheidung, wann wir umziehen. Die Probezeit ist erst im Dezember vorbei, in den Ferien umzuziehen wäre geschickt, da dann die Kinder das neue Schuljahr in der neuen Schule beginnen könnten. Also mal vorsichtig abgeklopft, wie denn die Chancen bestehen, übernommen zu werden, hierzu positive Signale, also die Entscheidung, in den Ferien nach Nürnberg zu ziehen. Wieder eine Wohnung suchen, und das nun mit der Schwierigkeit, dass ich die Besichtigungen in Nürnberg durchziehen mußte, die meisten waren ja unter der Woche abends, Fotos machen, diese dann nach Stuttgart mailen, telefonisch über die Wohnungen sprechen, entscheiden, neue Wohnung suchen usw. Bis wir dann die Wohnung gefunden haben, die Vermieter auch uns wohlgesonnen waren und so eine neue Bleibe gefunden haben.

Also wieder eine Eingewöhnung, neue Umgebung, neue Leute, neue Schulen, neue Verhältnisse. Aber eines muß ich sagen: die Lebensqualität in Nürnberg ist höher als in Stuttgart. Die Lebenshaltungskosten in Nürnberg sind bedeutend geringer, sodass der Verdienstunterschied, den ich zu meiner Arbeit in Stuttgart hatte, nicht auffiel.

Und dann kam der große Schock. Bei Barbara wurde Eierstockkrebs diagnostiziert. OP, Chemotherapie, Reha, Rückfall, neue OP, diese abgebrochen und dann das Schlimmste, was uns als Familie passieren konnte, allerdings für Barbara die Erlösung: Sie konnte den Krebs nicht besiegen und hatte aufgegeben. Seither versuche ich mich als alleinerziehender vollzeitarbeitender Vater mit drei Kindern, zwei davon in der Pubertät und einer mit dem Sprung ins Gymnasium. Es ist nicht leicht, aber wir kämpfen uns durch und machen das Beste daraus. Irgendwie schaffen wir das schon.

Unsere Familie ist jetzt wieder größer geworden. Ich habe mich neu verliebt, in Susanne aus Ludwigshafen, sie bereichert unser Leben durch ihre frische Art und Weise. Mit ihr zusammen werden wir nun das Haus in Neunhof herrichten und den weiteren Lebensweg gehen. Ich bin sehr froh, dass sie mich gefunden hat. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre.

Anmerkung: Es gibt natürlich aktuelle Bilder der Kinder und auch von Susanne, aber um deren Privatsphäre zu schützen, habe ich das vermieden. Es reicht, wenn ich mich hier veröffentliche, es geht hier ja auch um mein Leben und nicht um das meiner Kinder oder von Susanne.