Die Arbeit

Irgendwann muß man sich die Frage stellen, was für einen Beruf man denn eigentlich ergreifen will. So auch ich. Es war einmal Bäcker und Konditor im Gespräch, aber als man mir sagte, welche Arbeitszeiten beim Bäcker anstehen, suchte ich mir etwas anderes. Da wir zuhause eine Schreinerei hatten, war das dann auch das Naheliegendste und so begann ich nach der Mittleren Reife 1983 mine Lehre als Schreiner, Zuerst das BGJ, wieder Schule. Von der ganzen Klasse wohnte ich am nächsten zur Schule, teilweise kamen die Mitschüler aus Nördlingen oder noch weiter, aber ich war glaube ich der Einzige, der regelmäßig zu spät kam 😉 Sonst kann ich mich in Bezug ans BGJ nur an Unwesentliches erinnern: da war eine Prüfung, die wir geschrieben haben. Hier waren die Schüler der beiden BGJ-Klassen alphabethisch geordnet an den Eingängen zu zwei Klassenzimmern angeschrieben, wer in welches gehen sollte zum Schreiben der Prüfung. Irgendwie war scheinbar bei meinem Namen gerade die Trennung der beiden Gruppen und so wurde mein Name auf keiner der Listen aufgeführt. Ich wollte schon wieder gehen, da sagte man zu mir, dass sie doch noch ein Plätzchen für mich hätten.

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Praktische Prüfung BGJ

Die Ausbildung absolvierte ich dann in der Schreinerei meines Vaters, habe viel gelernt und dann auch die Gesellenprüfung gemacht.

Anschließend dann 20 Monate Zivildienst in der „Wekstatt für Behinderte der Lebenshilfe“ in Nördlingen. Das war auch eine gute Zeit, eigentlich zum ersten Mal richtig von Zuhause weg, unter der Woche in der Ziviwohnung in Nördlingen, eine Zwei-Mann-WG. In einer Druckerei, wo immer wieder Sachen zum Konfektionieren abzuholen waren, wurde ich als „Drückeberger“ und „Vaterlandsverräter“ tituliert, das war der Gleiche, der dann auch die Grünen „am Sack aufhängen“ wollte. Auf jeden Fall habe ich diese Zeit als prägend empfunden und will sie auch nicht missen. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die Feierabend-Biere, die man zusammen getrunken hat …

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Zivi bei der Arbeit

Dann ging es normal weiter als Geselle in der väterlichen Schreinerei, Möbelbau, Fenster, Türen, Boden legen, Holzdecken montieren, Restaurierungsarbeiten, das volle Programm und immer wieder etwas anderes. Ind dieser Zeit habe ich dann auch im alten Wohnhaus meiner Familie den Dachdoden ausgebaut, erst komplett entkernt und dann alles neu aufgebaut. Meine eigene Drei-Zimmer-Wohnung.

Irgendwann stellte sich dann die Frage, wie es weitergeht, beruflich. Mein ältester Bruder hatte wohl auch Schreiner gelernt, dann aber festgestellt, dass das nicht sein Ding war und umgesattelt auf Erzieher. Also was wird dann aus der elterlichen Schreinerei? Dann mache ich das eben. Gesagt, getan. Meisterschulen gesucht, mich bei mehreren beworben. Die erste, die dann einen Platz frei hatte für mich, war die Meisterschule in Ebern. 3 Semester Vollzeit in Unterfranken. Ein feine, kleine Meisterschule mit maximal 66 Schülern, einer sehr gut ausgestatteten Werkstatt, Computerraum, Zeichensaal, usw. Da habe ich dann auch noch einen Platz im angegliederten Wohnheim bekommen und zog also für 1 1/2 Jahre nach Unterfranken. Eine schöne Zeit, eine kreative Zeit, eine fruchtbare Zeit … Man konnte alle Einrichtungen der Schule nach Unterrichtsschluß nutzen, das heißt, in den PC-Raum oder in die Werkstatt, um für sich etwas zu machen, etwas auszuprobieren, zu „spinnen“, wie unser Schulleiter immer so schön sagte. Ich habe diese Zeit sehr genossen, und ich möchte diese Zeit auch nicht missen.

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Freihand-Zeichnen

1994 dann habe ich die Meisterprüfung abgelegt und dann noch 1/2 Jahr in der Schreinerei meines Vaters als Meister gearbeitet. In der Zeit habe ich den Computer im Büro eingeführt, um die Buchhaltung zu machen, Angebote und Rechnungen zu schreiben usw. Dis dahin wurden die schriftlichen Sachen auf der Schreibmaschine geschrieben und meine Mutter machte die Buchführung mit der „Taylorix-Durchschreibe-Buchführung“.

Zum 1. Januar 1995 habe ich dann die Schreinerei meines Vaters übernommen. Mit Gesellen, Lehrling und meinen Eltern als Teilzeitkräfte. Sieben Jahre war ich selbständig, habe biologische Oberflächenbehandung eingeführt, schöne Projekte durchgezogen, und zum Schluß viel Geld und meine ganze Existenz verloren. Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, bin ich nicht traurig über das, was ich verloren habe, sondern stolz auf das, was ich geschafft habe.

Also zum Ende des Jahres 2002 die Schreinerei dicht gemacht, Insolvenz angemeldet und auf Arbeitssuche gemacht. Ein Möbelhaus in der Nähe von Ulm wollte mich dann als Meister, der sowohl im Möbelhaus als auch in der hauseigenen Schreinerei agiert. Auf Dauer wäre das keine Arbeit für mich gewesen, da kam es einerseits ganz recht, dass mich der Chef rausgeworfen hat, andererseits war es blöd, ich hatte ja eine Familie zu ernähren.

Also wieder Bewerbungen schreiben, und auf einmal wollten mich gleich zwei. Zur Wahl stand der Job an der Plattensäge in einem Baumarkt in Neu-Ulm oder der Job als Technischer Leiter einer größeren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Stuttgart. Dann eben Stuttgart. 6 Monate pendeln zwischen Stuttgart und Ulm, jeden Tag 3 1/2 Stunden unterwegs zur normalen Arbeitszeit. Aber auch diese Zeit haben wir überstanden und sind dann in den Stuttgarter Osten gezogen. Eine interessante Arbeit, abwechslungsreich, relativ freie Zeiteinteilung, gute Bezahlung. Nach knapp sechs Jahren dann allerdings Opfer von Umstrukturierungsmaßnahmen geworden, die Stelle wurde wegrationalisiert und so stand ich im Jahr 2009 mal wieder auf der Straße.

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Nach vielen Bewerbungen und einigen Bewerbungsgesprächen im Raum Stuttgart habe ich mich dann spaßeshalber mal in Nürnberg umgesehen, der Lieblingsstadt von Barbara. Und auch eine Stellenausschreibung gefunden. Bei der Stadt. Als Meister. Irgendwas mit Spielplätzen. Also Bewerbung geschrieben und auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Das war glaube ich das schlimmste Vorstellungsgespräch, das ich bis dahin geführt hatte. Eine Kommission aus ich glaube sieben Leuten saß da und stellte Fragen, sie notierten irgendetwas und als ich da rauskam, wußte ich wirklich nicht, woran ich nun war. Ich würde am nächsten Tag Bescheid bekommen, ich solle im Personalamt anrufen. Also am nächsten Tag Punkt acht Uhr angerufen und: Ich war die erste Wahl. Wahnsinn. Von 120 Bewerbern die Stelle „gewonnen“. Aber: wieder Pendler, Wochenend-Papa, getrennt von der Familie.

Der Familienrat hat beschlossen, dass die Stelle genommen wird, die Zeit wird schon rumgehen mit dem Pendeln …

Also die Stelle angetreten, und nun bin ich in Nürnberg zuständig für die Sicherheitskontrollen der öffentlichen Spielplätze und der Spielgeräte in den städtischen Kindergärten und Schulen. Die Arbeit macht Spaß, ist abwechslungsreich und ich kann rein dienstlich auf Spielplätze gehen 😉

Update 05/2015:

Jetzt werden es nächsten Monat sechs Jahre, dass ich diese Arbeit mache. Es gibt eigentlich keinen Tag, der dem anderen gleicht, es ist sehr abwechslungsreich und interessant. Es gibt wohl viele Probleme, die zu lösen sind, aber irgendwie bekommen wir das immer wieder hin.

Anfang des Jahres ist überraschend mein Chef seinem Krebsleiden erlegen, was in der Abteilung natürlich ein großes Loch gerissen hat. Er hatte sich von Anfang an mit dem Thema Spielplatzsicherheit in Nürnberg beschäftigt und die Abteilung aufgebaut und zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Er war ein gefragter Fachmann im In- und umliegenden Ausland und konnte aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten. Mit ihm sind die Nürnberger Spielplätze zu den unfallärmsten und sichersten in Deutschland geworden.

Ich meinerseits beschäftige mich derzeit verstärkt mit SAP, da in einem Pilotprojekt versucht wird, die gesamte Arbeit des Spielplatz-Unterhalts mittels SAP zu bearbeiten. also von der Verwaltung der Spielplätze, Kontrolle, Dokumentation, Beauftragung von Reparaturen usw. Ob das etwas wird, wird sich noch herausstellen.