Angaben zur Geschichte des Anwesens Neunhof, Hauptstraße 11

Am Sonntag waren wir zum Nachmittagskaffee bei unserer Nachbarin, die uns auch das Haus verkauft hat. Folgende Informationen erhielt ich dort:

Angaben zur Geschichte des Anwesens Neunhof, Hauptstraße 11

Lage

Das Anwesen Neunhofer Hauptstraße 11 (alte Hausnummer 20) liegt im Zentrum des Ortes an der Durchgangsstraße. Eine platzartige Erweiterung zweigt hier von der Straße ab und setzt sich als westlicher Aufgang zur Kirche fort.

Name

Das unter dem Hausnamen „Steger“ ortsüblich bekannte Anwesen wird im Urkataster der Steuergemeinde Neumhof als „Trupfhaus“ geführt. Mit dieser Bezeichnung ist gemeint, dass zum Haus ursprünglich kein landwirtschaftlicher Grundbesitz gehörte. Das Hausgrundstück reichte vielmehr nur soweit wie das Regenwasser vom Dach heruntertropfte. Mit der Bezeichnung „Trupfhaus“ wird also bereits angedeutet, dass sich die Bewohner des Hauses nicht als Bauern ihren Lebensunterhalt verdienten wie die Mehrzahl der Ortsbewohner.

Entstehung

Das Anwesen entstand im Mittelalter auf Gemeindegrund in unmittelbarer Nachbarschaft der Gemeindequelle, deren Ablauf das Grundstück im westen begrenzt. Eine erste Erwähnung findet sich im Jahre 1405, doch dürften die Anfänge noch auf das 14. Jahrhundert zurückgehen.

Entwicklung

Im Jahre 1405 werden Heinz und Fritz Koter erwähnt, die das Pfaffengut alte Hausnummer 18 (= Neunhofer Hauptstraße 7) bewirtschafteten. Daneben betreuten sie aber auch auf dem unmittelbar benachbarten Anwesen (= Neunhofer Hauptstraße 11) die Badstube, die sich im Besitz der Dorfgemeinde befand.

Die Badstube war somit das älteste in Neunhof betriebene Gewerbe. Das Bad suchte man nicht nur zum Zwecke der Reinigung und Köperpflege auf, vielmehr wurden hier zur Förderung der Gesundheit auch Schwitz- und Kräuterbäder verabreicht. Der Bader war außerdem Wundarzt, er schröpfte und ließ zur Ader, zudem konnte man sich bei ihm die Haare schneiden lassen. Er war die einzige heilkundige Person in der Gegend.

Der Nürnberger Humanist und Freund Albrecht Dürers, Willibald Pirckheimer, verbrachte im Jahre 1520 einige Zeit in Neunhof bei seinem Schwager, dem Schloßherrn Martin Geuder. In einem Brief vom 01.09.1520 berichtet er über das Leben in Neunhof und schreibt unter anderem: „Es (gemeint ist das Dorf) wird von vielen Leuten aus den benachbarten Höfen (gemeint sind die Nachbarorte) besucht teils des Badens wegen …, teils des Gebets wegen … „.

In der Tat war der Sonntag der Hauptgeschäftstag im Badhaus, denn an diesem freien Tag verbanden die Einwohner aus Neunhof und Umgebung den Besuch des Gottesdienstes mit einem Aufenthalt im Badhaus. Zum Einzugsbereich der Neunhofer Badestube gehörten außer Neunhof selbst die Orte Beerbach, Tauchersreuth, Nuschelberg, Hub, Günthersbühl, Gainsreuth, Simmelberg, Groß- und Kleingeschaidt, Bullach, Veldershof und Simonshofen. Der Betrieb des Bades war durch eine Badeordnung geregelt, die von der Neunhofer Herrschaft erlassen wurde. Sie vergab auch die Badgerechtigkeit, das Gewerberecht zur Führung des Bades.

Die Bäder wurden in Holzzubern verabreicht. Das dazu benötigte Wasser wurde aus der Gemeindequelle unmittelbar hinter dem Hause bezogen. Das Feuerholz kam aus dem Reichswald, da das Badhaus im Sebalder Forst waldberechtigt war.

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1498 wird als Bader Hans Koter erwähnt. Damals mußte das Badhaus neu gebaut werden. Da sich die Dorfgemeinde dazu anscheinend nicht in der Lage sah, löste der Dorfherr Martin III. Geuder von Heroldsberg und Neunhof das Besitzrecht der Gemeinde ab und übernahm das Badegewerbe in herrschaftlice Regie. Von da an wurde der Bader als Pächter von der Schloßherrschaft eingesetzt, bis man 1562 die Badstube an den Bader Hans Fuchs privat verkaufte. Im 16 Jahrhundert und in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erlitt das Neunhofer Badhaus starke Einbußen. So mußten die Bader oft nebenbei noch andere Berufe ergreifen, sie waren z. B. als Schneider oder Mesner tätig. Der Verkauf des Waldrechtes im Jahre 1562 ist ein weiterer Hinweis dafür, dass der Badebetrieb zu jener Zeit nicht viel einbrachte.

1686 wurde das Badhaus von der Welerschen Herrschaft erworben und mit einem Bader als Pächter besetzt. Der Badebetrieb auf diesem Anwesen wurde noch bis 1702 fortgeführt. Die Bedeutung des Baderhandwerks nahm in den folgenden Jahrhunderten wieder zu, es wurde jedoch in anderen Anwesen im Ort ausgeführt. Die letzten Neunhofer Bader waren Johann Stoffel (1860) und Georg Kiefel (1922) der sich zuletzt jedoch nicht mehr als Bader, sondern als Friseur bezeichnete.

Auf dem Anwesen Nr. 20 wird 1702 ein Färber Michael Haid erwähnt, der wohl die Einrichtung des bisherigen Badhauses mit seinen Bottichen und dem benachbarten Wasserzulauf für sein Gewerbe gut nutzen konnte. Im Jahre 1714 änderte sich die Nutzung des Anwesens erneut: Der Hafnermeister Matthäus Kammerer errichtete hier eine Hafnerei, die etwa ein Jahrhundert Bestand hatte. Da sich der Badeofen für die Brennerei nicht eignete, mußte 1717 ein gesonderter Hafnerofen neben dem Haus errichtet werden.

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In der Hafnerei wurden Gefäße aller Art, wahrscheinlich auch Ofenkacheln hergestellt. Der Einzugsbereich dürfte sich auch auf die benachbarten Orte erstreckt haben. 1744 erwirbt der Hafner Nikolaus Bub das Anwesen. Im Jahre 1759 wird ein Neubau des Hauses erforderlich. Bei dieser Gelegenheit hat man den Brennofen in das Innere des Gebäudes verlegt, was die Arbeitsabläufe vereinfachte. Bub mußte sich jedoch verpflichten, den Brennofen keinesfals als Backofen zu nutzen, damit der Schloßbäcker (spätere Bäckerei Windisch) nicht in seinem Einkommen geschmälert wurde.

In drei Generationen übte die Familie Bub das Hafnergewerbe hier aus. Die Witwe des Jakob Bub heiratete 1836 den Hafner Michael Leonhard Pförtsch. Er war der letzte Neunhofer Hafner.

1861/62 erwarb der Köbler Friedrich Engelhardt das Anwesen und wandelte es in einen kleinbäuerlichen Betrieb um. Es wurden Feldgrundstücke von anderen Bauern des Ortes erworben. Die Hafnerei wurde abgebrochen und durch das heutige Sandsteingebäude ersetzt.

Friedrich Engelhardt (1809 – 1881) und seine Frau Kunigunde, geb. Müller aus Günthersbühl, waren Besitzer des Anwesens Neunhof Nr. 35a (= Weiherstraße 8) gewesen, das der Vater Johann Engelhardt (1781 – 1842) von der Familie Frauenkecht erworben hatte. Dieses Anwesen trug nach einem früheren Besitzer den Hausnamen „Steger“. Als Friedrich Engelhardt 1861 das Halbhaus veräußert, übertrug sich der Hausname auf sein neues Wohnhaus, die frühere Hafnerei. In direkter Linie ging der Besitz des Anwesens Nr. 20 von Friedrich Engelhardt auf Georg (1844 – 1910), schließlich auf Johann Engelhardt über, der 1902 Anna Schmidt aus Neunhof ehelichte. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, darunter der spätere Besitzer Paul Engelhardt (1916 – 2014).

Zusammengestellt vom damaligen Stadtarchivar der Stadt Lauf, Ewald Glückert unter Heranziehung folgender Quellen:

  • Freiherrlich von Welsersches Gutsarchiv Neunhof
  • Bayerisches Staatsarchiv Nürnberg
  • Evang.-Luth. Pfarrarchiv Beerbach
  • Stadtarchiv Lauf a. d. Pegnitz, Bestand Gemeindearchiv Neunhof

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